
c. 1350
Gothic
Via Porta Rossa 13, Firenze
Museum
Dieses Haus steht an der Via Porta Rossa und wirkt bescheiden neben den Palästen, die ein Jahrhundert später zwei Häuserblocks entfernt errichtet werden sollten. Genau deshalb lohnt sich ein Blick darauf: Es zeigt, wie eine wohlhabende Florentiner Familie lebte, bevor der Palazzo zu einem Mittel wurde, um etwas zu beweisen. Beginnen wir mit dem Eingang. Der erste Hof, den man von der Straße aus betritt, ist so angelegt, dass Fremde möglichst ferngehalten werden. Blicken Sie nach oben: In der Gewölbedecke sind Öffnungen zu erkennen. Durch sie hindurch warf man alles, womit man von oben zuschlagen konnte, auf Eindringlinge hinab. Das heißt, der Haupteingang dieses Hauses ist eine Verteidigungsanlage, und er ist nicht gegen Diebe ausgelegt, sondern gegen Nachbarn: Im vierzehnten Jahrhundert führten Florentiner Familien erbitterte Kriege gegeneinander, und ein Stadthaus musste dem standhalten. Weiter hinten beginnt ein anderes Gebäude. Der zweite, innere Hof ist bereits friedlich, und von hier aus verbindet eine Treppe alle Etagen. Diese Treppe selbst war für ihre Zeit fortschrittlich: Sie macht das Haus zu einem einzigen Organismus und nicht zu einer Sammlung von Ebenen, die man über separate Wege erreicht. Vergleichen Sie dies mit dem Medici- oder dem Strozzi-Palast. Dort spricht die Fassade mit der Stadt: Bänke für Passanten, Ringe für Pferde, die Säulenordnung nach dem Vorbild des Kolosseums. Hier spricht die Fassade mit niemandem. Sie schirmt das Haus einfach von der Straße ab, und das war das Einzige, was man von ihr verlangte.
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In der Ecke des Innenhofs steht ein Brunnen mit einem raffinierten Flaschenzugsystem, mit dem Wassereimer in jedes Stockwerk gezogen werden konnten. Heute wirkt das wie eine alltägliche Kleinigkeit. Im vierzehnten Jahrhundert war dies ein wahres Luxusgut: Fast alle Haushalte der Stadt schleppten das Wasser von Hand aus dem öffentlichen Brunnen von unten nach oben. Damit sollte man den Rundgang beginnen, denn danach folgen prunkvollere, aber weniger aussagekräftige Dinge. Die Große Halle, der Salone Madornale, in dem die Gäste empfangen wurden. Und der Papageiensaal, die Sala dei Pappagalli, benannt nach ihren Malereien: Die Wände sind so bemalt, als seien sie mit kostbaren Stoffen behängt, auf deren Muster Vögel sitzen. Ein bemaltes Zimmer ersetzte Wandteppiche, die teuer waren und sich nicht jeder leisten konnte. Das Museum besteht aus authentischer Einrichtung und Möbeln und zeigt nicht die Architektur, sondern den Alltag: Wie man in einem solchen Haus lebte, wo man schlief, wo man aß, wo man Vorräte aufbewahrte. So etwas sieht man in Florenz sonst nirgendwo – die übrigen Paläste wurden entweder in Gemäldegalerien umgewandelt oder von Institutionen beansprucht, und die Wohnkultur wurde völlig aus ihnen herausgeputzt. Und noch etwas sollte man im Kopf behalten, während man an diesem Brunnen steht. All die großen Fassaden der Nachbarviertel wurden mit Geld erbaut, das von Leuten verdient wurde, die ähnlich lebten wie die Bewohner hier: eng, vertikal, mit Wasser im Hof. Der Unterschied zwischen diesem Haus und dem Palazzo Strozzi liegt nicht im Reichtum. Er liegt darin, dass der Besitzer des Palazzo Strozzi wollte, dass die ganze Stadt von diesem Reichtum erfuhr.
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📷 Wikimedia Commons · sailko · CC BY-SA 3.0 · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Palazzo_davanzati%2C_cortile_03.JPG
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