Palazzo dell'Archiginnasio
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Bologna, Italy

Palazzo dell'Archiginnasio

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About the Object

Architect

Antonio Morandi (Terribilia)

Year Built

1562

Architectural Style

Renaissance

Address

Piazza Galvani 1, Bologna

Object Type

Public Building

Gallery (1)

Pavel Kos
Pavel Kos
8/31/2026🇷🇺 RU
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Ein Gebäude, das gebaut wurde, damit das Nachbargebäude unvollendet blieb

Die Universität Bologna, die älteste Europas, hatte in ihren ersten vierhundert Jahren kein eigenes Zuhause. Der Unterricht fand in der ganzen Stadt statt - in Kirchen, gemieteten Räumen und den Häusern von Professoren. Im Jahr 1562 hatte dies ein Ende, und zwar aus einem Grund, der wenig mit Bildung zu tun hatte. Papst Pius IV. befahl über Kardinal Carlo Borromeo und den Vizelegaten Pier Donato Cesi, ein einziges gemeinsames Gebäude für die Universität zu errichten. Das Projekt wurde von Antonio Morandi, genannt Terribilia, entworfen, und das Gebäude wurde zwölf Meter entfernt von der Basilika San Petronio platziert - genau dort, wo laut Entwurf ihr linker Querarm hätte emporwachsen sollen. Es wurde schnell und mit päpstlichen Geldern errichtet. Danach konnte San Petronio nie mehr jene Kirche werden, als die sie geplant war, und sie steht bis heute ohne kreuzförmigen Grundriss und mit unvollendeter Fassade da. In Bologna nennt man dies die "schwarze Legende": Rom habe der Provinz angeblich nicht erlaubt, über den Petersdom hinauszuwachsen. Historiker streiten darüber und weisen darauf hin, dass der Bau der Basilika auch ohne den Papst aus Geldmangel ins Stocken geraten war. Aber das Gebäude steht dort, wo es steht, und von der Straße aus ist das deutlich zu sehen. Man muss sich den Innenhof ansehen. Er hat zwei Ränge mit offenen Galerien, und seine Wände sind vollständig mit Wappen bedeckt - über sechstausend heraldische Zeichen von Studenten und Professoren, und einst waren es über siebentausend. Dies ist die größte Sammlung von Wandheraldik der Welt. Jedes Wappen steht für einen konkreten Menschen, der hier studiert und an der Wand ein Zeichen von sich hinterlassen hat, und in der Summe ergibt dies ein Porträt der gebildeten europäischen Schicht über mehrere Jahrhunderte, festgehalten in Farbe und Stein. Die Universität lebte hier bis 1803, danach zog sie in den Palazzo Poggi um. Seit 1838 beherbergt das Gebäude die Stadtbibliothek Archiginnasio, und sie ist bis heute hier - etwa achthundertfünfzigtausend Bände, zweieinhalbtausend Inkunabeln und fünfzehntausend Ausgaben des 16. Jahrhunderts. Der Innenhof und die Galerien sind von Montag bis Samstag kostenlos zugänglich.

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Pavel Kos
Pavel Kos
8/31/2026🇷🇺 RU
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Der hölzerne Saal, in dem Menschen unter Sternbildern obduziert wurden

Im zweiten Stock befindet sich das Anatomische Theater, und seinetwegen kommt man hierher. Es wurde 1637 erbaut, komplett aus Holz, in Form eines Amphitheaters: die Reihen der Bänke verlaufen um einen Marmortisch in der Mitte. Hier wurden vor den Augen von Studenten Leichen obduziert, und der Raum ist so eingerichtet, dass es jeder sehen kann, wie in einem Theater,heraus rührt auch der Name. Entlang der Wände stehen hölzerne Statuen von Ärzten: Hippokrates, Galen, darunter der Bologneser Gaspare Tagliacozzi, der sich im 16. Jahrhundert mit der Wiederherstellung von Nasen beschäftigte und als Vorläufer der plastischen Chirurgie gilt. Die Decke ist kassettiert, und in die Kassetten sind vierzehn Sternbilder und Apollo eingeschnitzt. Das ist keine Dekoration um der Dekoration willen: Damals war die Medizin ernsthaft mit der Astrologie verbunden, und man glaubte, dass die Stellung der Gestirne den Krankheitsverlauf beeinflusse. Das heißt, über dem anatomischen Tisch hing der Himmel, und das war Teil derselben Wissenschaft. 1944 wurde das Gebäude bombardiert und das Theater zerstört. Es wurde wieder zusammengebaut, wobei die überlebenden Skulpturen erhalten und der Saal nach den alten Plänen wiederhergestellt wurde. Das sollte man wissen: Was man sieht, ist zu Hälfte Nachkriegsarbeit, und sie ist ehrlich gemacht. Eine Karte für das Anatomische Theater und den Stabat-Mater-Saal kostet drei Euro. Für das, was man bekommt, ist das wohl der am meisten unterschätzte Preis in Italien.

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