
Leon Battista Alberti
1357
Gothic
Piazza di Santa Maria Novella, Firenze
Religious Structure
Die Kirche wurde zwischen 1279 und 1357 von den Dominikanern erbaut. Es ist Gotik, und das ist äußerlich an allem zu sehen, außer an einer Sache: der Fassade, die völlig anders aussieht. Geometrischer grün-weißer Marmor, ruhige Kreise und Quadrate, nichts Spitzbogiges. Der Grund ist einfach: Die Kirche ist gotisch, aber ihre Fassade wurde umgestaltet. Sie wurde gut hundert Jahre nach der eigentlichen Kirche fertiggestellt, und das mit privatem Geld. In den späten 1450er Jahren stimmte Giovanni Rucellai - genau der, dessen Palast wenige Blöcke entfernt steht - zu, die Fertigstellung der Fassade der nach dem Dom größten und wichtigsten Kirche der Stadt zu bezahlen. Als Architekten nahm er denselben, Leon Battista Alberti. Und nun heben Sie den Blick zum oberen Teil der Fassade. Dort verläuft eine lateinische Inschrift in großen römischen Lettern. Weder der Dominikanerorden noch die Jungfrau Maria, der die Kirche geweiht ist, werden darin erwähnt. Die Inschrift besagt: "Giovanni Rucellai, Sohn des Paolo, 1470". Hier lohnt es sich innehalten. An seinem eigenen Palast nannte Rucellai nicht einmal den Architekten und hinterließ nirgendwo seinen Namen - dort wird alles durch die Form ausgetrückt. An einer fremden Kirche, deren Gesicht er bezahlte, schrieb er sich mit Großbuchstaben quer über die Fassade. Der Palast sagte der Stadt "Ich bin genau wie ihr"; die Inschrift am Tempel sagte "Das habe ich gemacht". Der Bauherr war zu jener Zeit fast siebzig. Vier Jahre später würden einige seiner Wollunternehmen zusammenbrechen, und er müsste sein Landgut an Lorenzo de' Medici verkaufen - jene Familie, die ihm einst den Weg in die Politik versperrte und mit der er inzwischen durch seinen Sohn verschwägert war. Er starb 1481 im Alter von achtundsiebzig Jahren in seinem Palast, umgeben von seiner Familie. Der Name blieb auf der Kirche. Eine weitere Sache, an der man vorbeigeht: Entlang der Fassade und der Mauer dahinter erstrecken sich Avelli-Nischen, das heißt Grabnischen. Die Kirche steht auf einem Friedhof, der von ihnen eingefasst ist, und sie sind direkt vom Platz aus sichtbar.
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Im Inneren ist die Kirche anders: hoch, gotisch, dunkel. Und sie ist mit einem Fokus angelegt, den man selbst überprüfen sollte. Vom Eingang aus, entlang des Kirchenschiffs, hängt das Kruzifix von Giotto in der Mitte. Es wirkt unglaubwürdig langgezogen. Das liegt nicht am Kruzifix selbst: Die Pfeiler des Kirchenschiffs stehen nicht in gleichen Abständen, sondern werden zum Altar hin immer enger. Der Raum scheint dadurch länger zu sein, als er ist, und das Auge wird getäuscht, noch bevor man etwas bemerkt. Dies ist das dreizehnte Jahrhundert, lange vor jeglichen Theorien über die Perspektive. Und hundertfünfzig Jahre später entstand hier ein Fresko, mit dem die Perspektive gemeinhin beginnt. Masaccios "Dreifaltigkeit" um 1427: Die an die Wand gemalte Architektur entzieht sich so überzeugend in die Tiefe, dass die Wand aufhört, eine Wand zu sein. Die Figuren sind in einem Dreieck angeordnet, das Auge wird nach oben zu Christus und Gottvater geführt. Die Jungfrau Maria und Johannes sind als lebendige Menschen gemalt und nicht als ideale Bilder. Und unten, an den Seiten, knien der Stifter Lorenzo Lenzi und seine Frau - wieder der Stifter, wieder im Bild. Weiter zu den Kapellen. In der Strozzi-Kapelle bemalten die Brüder Nardo di Cione und Andrea Orcagna die Wände mit Szenen aus Dantes "Göttlicher Komödie". In der Tornabuoni-Kapelle sind Szenen aus dem Leben von Johannes dem Täufer dargestellt. Und gehen Sie unbedingt zur Spanischen Kapelle im Kreuzgang. Dort sind auf den Fresken die Dominikaner als schlanke Hunde dargestellt, die verirrte Schafe in die Herde treiben. Das ist kein Hohn auf den Orden, sondern dessen eigener Witz: "Dominikaner" klingt auf Latein ähnlich wie domini canes, "Hunde des Herrn", und der Orden nahm dieses Bild gerne an. Selten wird theologisches Wortspiel bis zur Wandmalerei getrieben.
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📷 Wikimedia Commons · Zairon · CC BY 4.0 · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Firenze_Basilica_di_Santa_Maria_Novella_Interno_Navata_Sud_2.jpg
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Leon Battista Alberti
1357
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